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125 Jahre Bahnhofsmission - Ausstellung "Echt Kölsch!" auf Gleis 1 E in Köln

24. September 2019

Seit 125 Jahren gibt es die Bahnhofsmission. Was einst in Berlin als Hilfsdienst für alleinreisende Frauen begann, ist heute ein Angebot für Millionen Menschen. In den Bahnhofsmissionen finden sie Ruhe, Hilfe und ein offenes Ohr. Das Jubiläum wurde Ende September in Berlin mit Gottesdienst und Festakt gefeiert. Eine Abordnung aus Köln war dabei.

von links: Corinna Rindle, Leiterin der Bahnhofsmission Köln, interviewt Renate Börschel, Schirmherrin von "Kunst auf Gleis 1", und die Künstlerin Margarete July bei der Vernissage.

Mit einem Gottesdienst in der Berliner Marienkirche wurde an das 125-jährige Bestehen der Bahnhofsmission und an deren Gründer, Pastor Johannes Burckhardt, erinnert. Der ehemalige Diakoniepräsident Klaus-Dieter Kottnik verwies in seiner Predigt darauf, dass einzelne Bahnhofsmissionen immer wieder in ihrer Existenz bedroht seien. Zudem seien Mitarbeitende der Bahnhofsmissionen auch Schmähungen und Angriffen ausgesetzt, wenn sie keine Spenden annehmen, die nur für Deutsche bestimmt sein sollen.

Die Geschichte der Bahnhofsmission in Deutschland beginnt in Berlin im Herbst 1894, am einstigen Schlesischen Bahnhof, dem heutigen Ostbahnhof: Eine Handvoll frommer evangelischer Frauen versuchten, die vom Land kommenden Mädchen vor Ausbeutung und Missbrauch zu schützen. Junge Frauen, in Scharen angelockt von der frei machenden Stadtluft, strömten in die wachsenden Metropolen, um Arbeit und ein besseres Leben zu finden. Die aufstrebenden bürgerlichen Schichten suchten nimmersatt nach Personal: Köchinnen, Dienstmädchen und Putzfrauen. Doch organisierte Kriminelle machten sich die Unwissenheit der ankommenden Mädchen zunutze und lockten sie als rechtlose Arbeitskräfte in Fabriken oder verkauften sie als Prostituierte ins In- und Ausland.

Die Anfänge der Bahnhofsmission in Berlin

Ab dem 1. Oktober 1894 offerierten die Berliner Freundinnen regelmäßige Ankunftsdienste. Sie empfingen die jungen Frauen am Bahnsteig, berieten sie und besuchten sie später auch in ihren Quartieren. Bald entstand, parallel zu sich entfaltenden sozialen Sicherungssystemen und dem wachsenden Einfluss der Freien Wohlfahrtspflege, ein Netz an Bahnhofsdiensten, 1897 öffnete eine Bahnhofsmission in München, zwei Jahre später in Köln, Hamburg und Hannover.

Ökumene wurde bereits in frühen Tagen gelebt: Schon bald traten evangelische und katholische Bahnhofsmissionen gemeinsam auf, wovon seit 1898 einheitliche Plakate in den Eisenbahnen zeugten. 1910 wurde die bis heute bestehende "Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission in Deutschland" (KKBM) als Dachorganisation gegründet.

Sozialer Dienst im Kölner Hauptbahnhof

Die Bahnhofsmission Köln ist heute als sozialer Dienst im Hauptbahnhof anerkannt. Die Räume auf Gleis 1E  sind Anlaufstelle für Menschen auf  Reisen, in Notlagen und Krisensituationen. Alle Angebote sind kostenlos und unabhängig von Alter, Geschlecht, Konfession, Nationalität, sexueller Orientierung oder sozialem Status. Das Team aus  derzeit 75 ehrenamtlich Engagierten und drei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen  bietet Schutz und Hilfe für Reisende beim Ein-, Aus- und Umsteigen, hat ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte, unterstützt bei Verständigungsschwierigkeiten und vermittelt weitergehende Hilfe. Familien und Kinder auf Reisen können sich n in der Kinderlounge mit Spielmöglichkeiten aufhalten. Im Rahmen von „Kids on tour“ werden allein reisende Kinder auf längeren Strecken im Zug begleitet.

125 Jahre Bahnhofsmission: Bericht über kids on tour aus Köln auf www.diakonie-rwl.de

„Kultur an Gleis 1 - Kunst und Literatur in der Bahnhofsmission“

Die Bahnhofsmission lädt außerdem zu wechselnden Ausstellungen in ihre Räume ein. „Echt Kölsch“ heißt die Ausstellung, die Mitte September in der Reihe „Kultur an Gleis 1 - Kunst und Literatur in der Bahnhofsmission“ eröffnet wurde. Margarete July zeigt ihre Eindrücke und Erlebnisse in Köln, seit 40 Jahren ihre berufliche Wirkungsstätte. Die Künstlerin lebt im Rhein-Erft-Kreis und arbeitet seit 1979 bei der Stadt Köln. Seit 2002 leitet sie das Dienstleistungszentrum ResoDienste Köln des Amtes für Soziales und Senioren. Mit der Malerei kam sie vor fast 30 Jahren in Kontakt, zunächst malte sie auf Seide, heute beschäftigt sie sich intensiv mit Aquarellen, Zeichnungen und Ölfarben. Die Gestaltung mit Licht und Schatten und die Kreation von neuen Blickwinkeln empfindet sie als große Herausforderung.

Die Räume der Bahnhofsmission bezeichnet sie als „ideal“ für ihre Werke. An diesen Ort der Begegnung und Unterstützung kämen auch viele benachteiligte Menschen, „die ich ja auch beruflich gerne unterstütze“, so July.     

Die Ausstellung „Echt Kölsch“ ist noch bis Ende August 2020 zu sehen, zu den Öffnungszeiten der Bahnhofsmission täglich von 7 bis 19 Uhr auf Gleis 1E im Kölner Hauptbahnhof.