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21.03.2016 11:46 Alter: 1 year

Erstes Kölner Flüchtlingswohnheim nur für Frauen und Kinder


Zwei Doppelstock- und Kinderbetten füllen die kleinen Zimmer ganz aus.

In den zwei Container-Etagen leben 80 Frauen und Kinder.

Martina Domke und Aniko Reusche bereiten in der Startphase die nächsten Schritte vor.

Das erste Flüchtlingswohnheim ausschließlich für Frauen und kleine Kinder wurde in Köln Ende Februar zwischen Berrenrather Straße und Nikolausstraße in Köln-Sülz eröffnet. Der Sozialausschuss der Stadt Köln hatte Unterkünfte speziell für Frauen und deren Kinder gefordert. Das Diakonische Werk Köln und Region hat die soziale Betreuung im Heim übernommen. „In der Flüchtlingsarbeit mit Frauen haben wir jahrelange Erfahrung und eine hohe Kompetenz“, sagt Helga Blümel, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes. „Die Debatte im Sozialausschuss hat unseren Wunsch, ein Flüchtlingsheim für Frauen und Kinder zu betreuen, und eine politische Realität zusammengebracht“.

Drei Quadratemter pro Frau sind eigentlich inakzeptabel

Das Grundstück wurde von der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Klettenberg zur Verfügung gestellt. Darauf stand bereits ein Haus, das die ASG erbaut hat. Die beiden Container-Reihen für die Flüchtlinge hat die Stadt Köln jetzt daneben errichten lassen. Auf zwei Etagen ist hier Platz für bis zu 80 Frauen und Kinder. Jeweils vier teilen sich einen Raum von 12 Quadratmetern mit zwei Etagenbetten oder zusätzlichen Kinderbetten. „Drei Quadratmeter pro Bewohnerin sind eigentlich völlig inakzeptabel“, sagt Martina Domke, Leiterin des Fachdienstes Migration des Diakonischen Werkes. „Wir können das hier nur akzeptieren, weil die Unterbringung in einer Turnhalle noch schlimmer ist.“

Frauen kochen für sich selbst

Zwei Zimmer, also acht Frauen, teilen sich eine Küche. Die Frauen verpflegen sich selbst. „Dass sie selber kochen dürfen, finden die meisten Frauen super“, sagt Aniko Reusche. Sie ist Sozialarbeiterin des Diakonischen Werkes und die Ansprechpartnerin vor Ort. Gleich am ersten Tag haben die Frauen im benachbarten Supermarkt eingekauft und dann gekocht.

Die Frauen finden sich in Köln gut zurecht

Im Stadtteil finden sie sich gut zurecht. Viele von ihnen leben schon seit Wochen in Köln. „Bahnfahren ist kein Problem“, sagt Aniko Reusche. Die Verständigung sei dagegen teilweise schwierig. „Manchmal geht es nur mit Händen und Füßen“, lacht sie. Bei alltäglichen Dingen wie der Bitte um einen Papierkorb oder Putzmittel, geht das noch. Bei Fragen zum Aufenthaltsrecht wird es komplizierter. „Aber dann hole ich mir Hilfe bei den Kolleginnen der Flüchtlingsberatung im Diakonischen Werk“.

Ehrenamtliche Unterstützung von allen Seiten

Eine arabisch sprechende Anwältin aus der Nachbarschaft hat bereits ihre ehrenamtliche Hilfe angeboten. Überhaupt ist die Bereitschaft, ehrenamtlich zu helfen, enorm: Rund 500 Menschen haben den Newsletter der Willkommensinitiative „Hallo in Sülz“ abonniert. Es gibt Gruppen für Alltagshilfen, Handarbeiten, Stadtspaziergänge und für Deutschkurse, die nach Ostern starten sollen. Sabine Kistner-Bahr vom Diakonischen Werk koordiniert das ehrenamtliche Engagement und hat zahlreiche Unterstützungsangebote von ganz unterschiedlichen Gruppen erhalten: von Geschäftsleuten über die benachbarte Katholische Hochschulgemeinde bis hin zur Hausbesetzerszene. „Insgesamt ist das ein Stadtteil, der diese Willkommenskultur tatsächlich von allen Seiten lebt“, sagt Kistner-Bahr.

Weiteres Flüchtlingswohnheim in der Brandenburger Straße

Das Flüchtlingswohnheim in der Nikolausstraße ist das erste, das das Diakonische Werk Köln und Region sozialarbeiterisch betreut. Bei dem einen Haus soll es aber nicht bleiben. Zurzeit wird das ehemalige Bürogebäude des Diakonischen Werkes in der Brandenburger Straße hinter dem Kölner Hauptbahnhof umgebaut. 50 Jahre lang war es Dienstsitz der Diakonie. Nach dem Umzug in das Haus der Evangelischen Kirche hat es der Evangelische Kirchenverband Köln und Region der Stadt Köln als Wohnheim für Flüchtlinge angeboten. Nachdem es zwei Jahre lang für die Winterhilfe zur Verfügung stand, um wohnungslose Menschen vor dem Erfrieren zu bewahren, haben die Umbauarbeiten begonnen. Im Herbst 2017 sollen hier ebenfalls Flüchtlinge einziehen können.


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